14 Aug

Europa – Meditation # 157

Die kleinen und die großen Vorbilder in Europa

Längst haben die Bilder die Macht übernommen. Texte sind jetzt nur noch wie Fußnoten, Ablenkungsmuster für Langweiler, Einzelgänger oder Besserwisser, also Leute, die noch nicht mitbekommen haben, wo der Hammer hängt.

Und die Abfolge der Bilder hat an Tempo ziemlich zugenommen. So bleibt auch keine Zeit mehr, Bilder auf ihre Echtheit oder Bearbeitung zu untersuchen. Müßig sowieso, denn der Gier nach Bildern ist deren Entstehen einerlei, sowieso.

Mondlandung, fürstliche Eheschließungen, drei Stühle, drei Frauen, drei Aufgaben: Verteidigungsministerin auf Probe, Kommissionspräsidentin in spe und Kanzlerin vor dem Ausstieg – das macht Männern Spaß, da mal so richtig Häme auszuschütten. Denn jenseits der Bilder wüten dann die Gefühle, die sie blitzschnell erzeugen: Neid, Wut, Zorn, Schadenfreude, Missgunst…

Europa – das Bild von der gewaltsam entführten und vergewaltigten Prinzessin aus dem Libanon kennen sicher nicht so viele in Europa – wird daneben aber in zahllosen Varianten ins aktuelle Bild gesetzt:

Als ein Kontinent, der seine eigenen Geschichten vergessen hat,

als eine Landmasse, die immer mehr an Bedeutung zu verlieren scheint,

als ein Staatengebilde, das seine eigenen Errungenschaften genussvoll zu ruinieren scheint,

als ein Fleckenteppich, der eine faszinierende Vielfalt an regionalen Besonderheiten aufzuweisen hat,

als ein Machtfaktor, der in der Welt mehr und mehr seine Möglichkeiten leichtfertig zu verspielen scheint.

Und die Betroffenen – landauf, landab? Die wenden sich mehr und mehr kopfschüttelnd ab, weil die gewählten Vertreter mit ihren Parteiprogrammen immer weniger zu überzeugen verstehen.

Es ist mal wieder die Zeit der Rattenfänger in Europa – in Polen, in Ungarn, in Italien, in Griechenland, in England, in Deutschland. Die vielen (sie nennen sich gerne „die das Gefühl haben, vom Kuchen zu wenig abzubekommen und unter Vormundschaft solcher Rattenfänger nach den Schuldigen suchen, die auch schnell gefunden sind: Die Eliten, die Fremden, die Medien ) – diese vielen bringt das System Neoliberalismus massenweise hervor, in dem die Reichen immer reicher werden und die anderen immer weniger haben für Miete, den Alltag, die Altersvorsorge.

Wir Europäer müssen also gar nicht nach Übersee schauen, wir können schön vor der eigenen Tür kehren, da wachsen die Müllberge – die ideologischen genauso wie die aus Plastik – nachhaltig weiter. Und wenn dann auch noch so ein Teenager vorlaut den gekränkten Zeitgenossen die Leviten lesen will, dann sollte man endlich mit Schuldzuweisungen einhalten und bei sich selbst anfangen. Jeder Europäer ist gefordert, jeder kann in seinem Kiez und in seiner Region mithelfen beim…

06 Aug

Europa – Meditation # 156

Moment mal, Europa! Auf ein Wort, nur!

Woher kommen wir eigentlich, wir Europäer?

Aus einer kleinen Truppe von Jägern und Sammlern – sagen wir mal so etwa 170 Leute ungefähr – die meinten, sie müssten sesshaft werden und sprechen lernen. Man war fruchtbar und mehrte sich fleißig. Im Kopf tanzten ihnen ihre Ängste unglaubliche Bilder an die Schädeldecke. Die mussten bekämpft und besiegt werden.

Wurden sie aber nicht. Sie wurden bloß eingehegt in den labyrinthischen Gängen ihrer Gehirne. Vorübergehend. Manchmal. Mit sprechenden Bildern.

Schnell erfinden sie sich mächtige Überväter, die sie Götter nennen, einfach so. Mächtige Bilder, Angst erzeugend. Eins davon ist das Bild der Europa, der weitsichtigen, die von einem Gott betrogen wird, um sie zu beherrschen.

Dann geht das eine Weile so. Sie lernen schnell und nachhaltig, die Europäer. Irgendwann sind sie die Überväter satt und begnügen sich mit sich selbst: Das Individuum ist der neue Gott. Und der will allen mal so richtig zeigen, was er so drauf hat: Messen, messen, messen. Scheinbar lässt sich ja alles in Zahlen ordnen und beherrschen, dachten sie gerne. Jenseits von Sprache und Gefühl. Das Fremde ist jetzt nur noch das noch nicht Vermessene. Also alles nur noch eine Frage der Zeit.

Die Europäer machen sich – hilfsbereit wie sie nun einmal sind – auf, den restlichen Artgenossen davon nicht nur zu erzählen, sondern es ihnen auch zu verkaufen, wenn nötig auch mit Gewalt. Die waren oft in einem ganz anderen Bilderwald unterwegs als die Europäer. Das nennen die Europäer einfach mal Rückständigkeit. So fühlen sie sich gleich als Erwecker, Befreier, Erlöser.

Wo sind wir denn jetzt, wir Europäer?

Am Ende mit unserem Latein, könnte man etwas schnoddrig sagen. Aber es ist zu offensichtlich, dass die ehemals frohe Botschaft Europas längst ihre Strahlkraft in der Welt nachhaltig verloren hat. Monströse Kriege, monströse Waffen, monströse Massaker, monströser Kahlschlag von Kultur und Natur über Jahrzehnte hin. Jetzt gehen uns nicht nur die Argumente aus, nein, uns geht auch der Sand in der Sanduhr der Species in schnellem Sturz dem Ende entgegen. Und anstatt das befreiende „Halt“ in die Welt zu rufen, holen wir angstbesetzt wie eh und je – wie ein kleiner dickköpfiger Zauberer – den weißen Hasen aus dem roten Tuch und rufen beglückt: „Anthropozän! Wir sind jetzt sogar die Macher einer ganz neuen erdgeschichtlichen Epoche! Anthropozän!“ So sollen wohl alle vergnügt feste feiernd mit in den gemeinsamen Abgrund gerissen werden, nicht als Höllenfahrt, nein, als Auferstehung aus langem Albtraumschlaf.

Und wo soll die Reisen hingehen, liebe Europäer?

Falls uns das große Chaos-Programm nicht schon längst aufs Abstellgleis der ausgespielten Spiele verschoben hat – wir haben es nur noch nicht bemerkt – wären da noch ungenutzte Varianten wie dienstbereite Pflege der Vielfalt der Wesen auf diesem Planenten, Pflege der naturgegebenen Pflanzen und Abstand von blindwütigem Mehr Haben Wollen, Mehr Sein Wollen und Mehr Verbrauchen Wollen. Und Schluss mit Messen um des Messens willen! Es wäre eine überwältigend schöne Erleichterung des Lebens und Sterbens, es wäre geradezu eine Befreiung aus den alten Ängsten und Zwängen, denen wir in unseren unergründlichen Gehirnen schon so lange das Sagen überlassen haben…

16 Jul

Europa-Meditation # 155

Wie in vielen Medien in Europa das Umdenken von so vielen in Sachen Umwelt und Globalisierung zerredet wird                                                              Teil 2

Die Jüngsten sind es, die den Europäern vor Augen führen, was schon lange eigentlich ansteht:

Wir wollen unser Leben ändern!

Wir sollen unser Leben ändern!

Wir müssen unser Leben ändern!

Der bisherige, alte Striemel hat uns in eine fatale Sackgasse manovriert. Doch dieser Striemel ist eben nicht irgendeine abstrakte Größe, nein, er ist der Spiegel, in dem wir uns täglich anschauen können, wie wir

zuviel verbrauchen,

zu schnell fahren,

zuviel wegwerfen,

zuweit fliegen…

zu ungesund leben…

Jeder von uns in Europa weiß, die Liste lässt sich leicht verlängern!

Aber schon kommen die sogenannten Realisten und Skeptiker angerannt und halten dagegen:

WAS? Wir sollen verzichten auf unsere Freiheit, zu konsumieren was und wieviel wir wollen?

WAS? Wir sollen nicht mehr selbst entscheiden dürfen, wie schnell wir mit unseren schicken Autos fahren wollen?

WAS? Wir sollen nicht mehr wegwerfen dürfen, was uns zuviel ist und was wir los werden wollen?

WAS? Wir sollen nicht mehr fliegen dürfen, wohin auch immer wir Lust haben zu fliegen oder mit welchem Luxusliner über welches Meer wir schippern wollen?

Ohne überhaupt nachzudenken, werden die anstehenden Veränderungen einfach als Verlust-Geschichte gebrandmarkt. Obwohl bei näherem Hinschauen und gründlicherem Nachdenken leicht sichtbar würde, dass es sich dabei um eine einmalige Gewinn-Geschichte handeln wird:

Unsere Gesundheit wird vor Freude Purzelbäume schlagen

Unsere Nerven werden vor Begeisterung straffer und straffer sein

Unsere Gefühle werden endlich zu ihrem Recht kommen können, weil die Zeit dafür da sein wird, sie bewusst zu erleben.

Und unser Planet wird in dieser wunderbaren Entschleunigung endlich wieder aus dem Alarm-Modus in seinen Natur-Modus zurückkehren können!

Wer kann sich denn so einer Perspektive entgegenstellen?

Wer kann solch eine leicht in Gang zu setzende Wende mies machen?

Wer kann da noch weiter den Skeptikern zuhören wollen?