27 Okt

Europa – Meditation # 115

Im globalen Dorf wird der Aufstand geprobt

Morgen entscheidet sich in Brasilien, ob der Zorn der vielen die eigenen Repräsentanten treffen wird oder ob man zwar die Faust in der Tasche ballt, aber doch lieber dem Favoriten des Gestrigen, Bolsonaro, eine knappe Abfuhr erteilt. Die Prognosen stehen schlecht – aber auch ohne diese wird Bolsonaro gewinnen und sein „strenges Programm gegen Korruption und Drogenbosse“ durchziehen. Leidtragende werden aber eher die Frauen, die Alten, die Kranken und die Arbeitslosen sein.

Morgen entscheidet sich in Hessen, einem kleinen Bundesland in Europa, ob die Wut über den Klüngel in Berlin mit den Autoriesen oder den Asylanten dazu führt, wie in Bayern den eigenen Repräsentanten die Rechnung zu präsentieren: Wir glauben euch längst nicht mehr: Das Wohl der Allgemeinheit ist euch höchstens ein feines Feigenblatt, mehr nicht. Die Konzerne – ob nun im Energiebereich, in der Auto-Industrie, der Pharma-Industrie (Bayer lässt schön grüßen) oder im Bankenwesen (Cum-Cum-Geschäfte liegen dem Bürger übelst im Magen) – bereichern sich weiter und applaudieren ihren stetig steigenden Kursen an den Börsen. Die Aktionäre lächeln gnädig. Gut so, weiter so.

Die Wette gilt: Das Etikett „Volkspartei“ hat in Brasilien genauso ausgedient wie in Deutschland; die Möglichkeiten der Demokratie, zwischen den Interessengruppen ausgleichend zu moderieren, erweisen sich den meisten Zeitgenossen inzwischen als bloße Thesen auf Papier, die Kluft zwischen den Gewinnern und den Verlierern wird größer und größer. So werden morgen Bolsonaro in Brasilien und die kleinen Parteien in Hessen das Rennen machen.

Und was folgt daraus? Die Menschen wählen aus dem Bauch heraus, sie sind wütend, frustriert und fühlen sich betrogen. Das Modell Demokratie kann nicht halten, was es verspricht. Und plötzlich sieht sich das globale Dorf mit der Frage konfrontiert: Was wäre denn ein besseres Modell für die anstehenden Probleme auf der Welt? Wie gegensteuern der:

– Ausbeutung der Natur,

– Ausbeutung der Wanderarbeiter und Niedriglohnempfänger,

– Auflösung der Familie, der Nivellierung der Ausbildungsniveaus?

Die etablierten Parteiprogramme liefern keine glaubwürdigen Antworten, wie es scheint.

Der kundige Weltbürger durchschaut die unglaublichen Machenschaften von Konzernen, Banken und politischen Institutionen – trotz des großen Reichtums, den die Menschen generieren, kann von halbwegs erträglicher gerechter Verteilung der Gewinne keine Rede sein.

Die Geduld ist am Ende.

Kapitalismus wie Sozialismus haben überzeugend bewiesen, dass sie weder den Menschen, noch der Natur gut tun.

Mit dem Rücken an der Wand gilt es nun Ärmel aufkrempeln, anpacken, selber machen und solidarisch mit dem Nachbarn sein.

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