19 Mrz

Europa – Verraten und verkauft (Meditation # 33)

…der werfe den ersten Stein…

Als wären es lauter bunte Kasperle-Figuren, die zappelnd in ihren Schubladen tanzen und toben wie wütende Rumpelstilzchen, so gebärden sich derzeit viele Zeitgenossen, die sich in kleinkarierter großer Geste von den „Abgehängten“ zu distanzieren versuchen – oder wie die selbstgefälligsten Pontius-Pilatus-Macker, die pathetisch das Tischtuch zerreißen zwischen „denen“ und sich!

Aber, was soll das Theater?

Selbstgerechte Beweihräucherung ist doch eher nur peinlich.

Fragen wir einfach nach dem Subtext, der unter all diesen Stellungnahmen in den Medien und Parlamenten derzeit wabert.

1. Vermutung – Die sich jetzt im Brustton echter Demokraten brüstenden Posauner wirken beim genauen Hingucken unsicher, fast schon in kleiner Panik sich wähnend! Könnte es sein, dass die bisher vom Wohlfahrtsstaat arg Begünstigten das Gespür für die ungerechte Verteilung der Chancen wegräsonieren, ähnlich wie „unsere Freunde, die Amerikaner“ es mit ihrer millionenfach verelendeten Wohnwagengeneration macht, die selber schuld sei, dass sie es nicht geschafft hat?(Schon die Quäker lieferten vor gut vierhundert Jahren das schlaue Argument: Gott zeige, wen er auserwählt habe, bereits auf Erden durch den materiellen Erfolg, den der fleißiger Mann zu erwirtschaften vermochte. Wer also Erfolg hat, der sei ein gottgefälliger Mann!) – wie praktisch, wie freisprechend, wie entlastend! Trump for president!

2. Vermutung – Könnte nicht auch das Wegschwimmen der eigenen Felle dabei eine Rolle spielen?

Die Mediendemokratie hat längst die Teilhabemöglichkeit der Bevölkerung nachhaltig vaporisiert – wie fernes Echo klingen Begriffe wie Demokratie, Gewaltenteilung, Vierte Gewalt und parlamentarische Kontrolle des Exekutive. Die Wahlen lassen einem keine Wahl mehr, weil die Unterschiede wegzuschmelzen drohen. Alles sei so kompliziert geworden, da brauche man eben Fachleute. Aber die Politiker scheinen keine Fachleute und Interessenvertreter der Wähler zu sein, sondern nur noch Pfründeverwalter und Besitzstandwahrer. Was ist da passiert? Wann hat sich das alles so gewandelt, warum versandet die Kritik daran im medialen Talk-show-Glamour?

3. Vermutung – Wie sich die Themen und Sorgen gleichen!

Ob in Rennes, in Bari, in Bamberg, in Riga oder in Gent und Dublin oder Salamanca, überall scheint das Unbehagen in doppelter Weise weggeredet zu werden: Am Stammtisch, im Stadion, am Arbeitsplatz oder im Park auf der Bank – wortlos lässt man die bunten Bilder fremder Sprachen, Gesichter und Kleider an sich abtropfen, man atmet tief durch, überschlägt kurz das Haben bis zum Monatsende und weiß sich keinen Rat. Am besten man könnte den ganzen Film zurückdrehen auf die Zeit vor…ja, vor was? Die Nachkriegsjahre, die waren doch die besten. Was für ein peinlicher Gedanken! Das darf doch nicht wahr sein! Wird uns Europäern jetzt eine alte Rechnung vorgehalten, wollten wir den Kuchen essen, ohne ihn zu bezahlen? Blödsinn! Man hat vielleicht einfach nur Glück gehabt und macht jetzt daraus einen maßgeschneiderten Anspruch, an dem eben nur die teilhaben können, die man kennt und versteht. Nein, nein, man ist kein Rechter. Das sind die anderen. Und dass die jetzt so im Kommen sind, heißt doch nur, dass man endlich selber den Mund aufmachen muss: Das Geschäft mit den anliegenden Problemen sollte man besser selbst in die Hand nehmen. Leider hat man aber keine Zeit. Die Sachzwänge. Kennt man doch.

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