22 Jun

Europa – Verraten und verkauft ? (Meditation # 45)

Der erste Schritt der Europäer zurück zu sich selbst

Angst Machen gilt nicht! So lautet die fröhliche Devise der Befürworter eines Neubeginns im alten Europa. Das fast durchweg mit ökonomischen Negativ-Statistiken gespickte Warnprogramm der scheinbaren Gralshüter des europäischen Einheitsgedanken sollte den besonnenen Menschen hierzulande eher zu denken geben: Sind die Zahlenreihen, die da aufgefahren werden, nicht allesamt bloß Prognose-Ziffern einer Zukunft, die mutwillig als schon erkannt und durchschaut unterstellt wird? Und sind diese Zahlenreihen nicht ausschließlich solche auf das Wirtschaftsleben bezogene? Und da ausschließlich auf Gewinne der altbekannten Gewinner? Wachstum um jeden Preis – und weiter auf Kosten der Natur und der Gesundheit der Konsumenten? Fast könnte man meinen, die Marktschreier wollen nur ihre eigene Angst weg schreien – die Zeitgenossen könnten das üble Spiel endlich müde sein und wittern ihre Chance, aus diesem freudlosen Hamsterrad der Austeritätspolitik bei gleichzeitigen Gewinnen der nationalen Banken und Konzerne auszusteigen. Auch die Frage, ob es sich die Briten tatsächlich leisten können, die EU zu verlassen und so die gemeinsame europäische Tradition leichtfertig aufzukündigen, erweist sich bei näherem Hinschauen als missglückte Frage der Frager: Die Länder Europas sind alle eingebettet in eine lange und intensive gemeinsame Geschichte, die ihre Spuren überall unübersehbar hinterlassen hat. Gerade die selbstbewusste Abwahl der weiteren EU-Mitgliedschaft könnte sich so als besonders klare Hinwendung zur eigenen europäischen Geschichte und Kultur erweisen. Dann wäre das Angstgeschrei der EU-Leute nur Ausdruck des Neides, den sie empfinden, weil da jemand etwas tun will, das man sich selbst längst nicht mehr traut – sei es, weil man zu bequem geworden ist, sei es, weil man die eigene Identität leichtfertig an der Globalisierungsgarderobe längst abgegeben hat. Die Briten als Vorbild eines Europa-Verständnisses, das endlich die Türe öffnet zu einem gut nachbarlichen Miteinander – ohne bürokratische und fiskalische Bevormundung eines inhaltsleer drehenden „Geldregenmachersystems“, dem sich alle unterzuordnen haben! So gesehen könnte man dann die anstehende Wende als den glücklichen Übergang vom pubertierenden Europa (bisher bevormundet vom großen Bruder jenseits des Atlantiks) hin zu einem Kontinent von Staaten sehen, die alle erwachsen geworden sind und in ihrer Reife endlich auch selbstständige Entscheidungen zu treffen wissen. Da muss einem auch nicht bange vor einer Zukunft werden, die man sowieso nicht kennt!

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