06 Apr

Europa – Verraten und verkauft? (Meditation # 61) Europa neu denken jenseits von EU oder Nationalismus

Die Polit-Profis wollen einfach nicht zuhören, nachdenken und schlussfolgern im alten Europa: Mit Trump, dem Brexit, Orban und der AfD im Nacken macht es dennoch einfach nicht klick. Weiter spulen sie ihre alten Parolen ab, als könnten sie durch das bloße Wiederholen das für sie Unangenehme weg beschwören. So wie in früheren Zeiten vielleicht ein Schamane seine Litanei vor sich hin sang und summte, bis alle weg gedämmert waren und müde den Heimweg antraten.

Auch der inzwischen oft wiederholte Hinweis, dass Wahlprognosen keine verlässlichen Daten mehr liefern, bringt sie nicht zum Überdenken ihrer vorgefassten Meinungen und Versprechungen. Stattdessen greifen sie ins verstaubte Regal verbrauchter Redemuster: Am besten einfach Angst machen! Das holt die verunsicherten Schäflein wieder zurück in den Pferch, hoffen sie. Kleines Beispiel dieser Tage: Der neue Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier, der sich ja einiges vorgenommen hat für seine neue Aufgabe, predigt in Straßburg dann so:

„Wenn wir Europa durch die Erweiterung verwässern lassen, versinken wir in unserem

eigenen politischen Morast“

Lassen wir diesen Wenn-Satz einmal genüsslich auf der Zunge zergehen! Klugerweise spricht der Redner hier nicht von der EU, sondern von Europa – nur kann man das gar nicht erweitern, es ist so, wie es ist. Dagegen ist die EU in Wirklichkeit stattdessen in einer Schrumpf-Phase (Brexit und Le Pen lassen grüßen!) und der eigene politische Morast – in Italien nennt man ihn La Palude – stinkt schon längst so sehr gen Himmel, dass der kopfschüttelnde Bürger sich nur noch angeekelt abwenden kann: Parteien-Demokratie in den USA genauso wie in den europäischen und asiatischen Ländern ist längst verkommen zu einem korrupten Selbstläufer, in dem zwar das Wort von der Herrschaft des Volkes nach wie vor im Partei-Logo prangt, in dem aber die Themen immer nur durch die Brille der Partei-Interessen gefiltert zum Tragen kommen.

So beginnt zwar jeder Partei-Tag mit einem Loblied auf die Jugend, dem Kapital der Zukunft, aber Beschlüsse sichern totsicher der Rüstungsindustrie der EU-Staaten weitere „dringend notwendige“ Investitionszusagen, so dass dann leider für Bildung nicht mehr so viel übrig bleibt, wie anfangs euphorisch angekündigt worden war. Wie sollen da die Bürger – und hier vor allem die jungen Bürger – nicht verdrossen werden?

Und was fällt dem neuen Bundespräsidenten ein, um dieser unseligen Verdrossenheit der Jugend gegen zu steuern? Genau – nichts anderes als ein weiterer Angst-Text, der die EU-müden Bürger wieder hinter die blaue Sternchen-Fahne holen soll:

„…sonst werden wir alle einzeln zum Spielball anderer Mächte.“

Eine Rede also – hier nur in zwei kleinen Beispielen vorgestellt – die prächtig mit Bilder zu spielen weiß, aber keine Antworten auf dringende Fragen einbringt. „Spielball anderer Mächte“ – wer möchte das schon gerne sein?

„im eigenen politischen Morast zu versinken“ – wer hat darauf schon große Lust?

So denkt sich wohl der Redner und der Mainstream den Gang der Dinge: einfach ein bisschen Angst machen, schön mit Pathos versüßt, dazu ein ordentlich ernstes Gesicht, aus dem eine sonore Stimme tönt, die nur das Beste zu wollen verspricht. Und so weiter und so weiter.

Und wo wenden sich die enttäuschten Bürger stattdessen hin? Sie wenden sich zum Nachbarn, der ein fähiger Handwerker ist oder zum Schlosser, der auch den Oldie zu reparieren versteht und zu den Freunden, die am Wochenende im Nachbartal zu einem Lagerfeuer-Treff laden – jeder bringt seine besten Rezeptergebnisse zum Probieren mit – da will man mal über die Sorgen miteinander reden, die das fette Digitalistan ihren Kindern bereitet. Keiner hat mehr Lust auf Lesen oder Schreiben…Was interessieren die denn „Sumpf“- oder „Spielball“-Bilder eines Sonntagsredners? In überschaubarer Runde geht man gemeinsam die anliegenden Probleme durch, verabredet machbare Zwischenziele und lässt den Parteien ihre Selbstbespiegelung. Am liebsten würde man denen einfach mal einen Denkzettel verpassen, damit die aufwachen und mal merken, was die eigentlichen Probleme der Bürger sind! Notfalls nehmen sie die Dinge dann wieder selbst in die Hand und schicken die Apparatschkis auf eine Kreuzfahrt nach nirgendwo…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.