18 Mai

Europa – völlig neu denken ( Meditation # 62 )

Europa völlig neu denken. Und nicht einfach nur neuer Wein in alten Schläuchen.

Und weiter schmoren sie alle in ihrem eigenen Saft – der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika genauso wie der von Russland oder wie der neue Heilsbringer der Sozialdemokraten oder oder Kurz und Lindner, klingt ja fast wie kurz und bündig, nur natürlich etwas pflegeleichter und runder, klar.

Sie reden sich um Kopf und Kragen, denn sie wollen einfach nicht wahrhaben, dass der sogenannte Wähler nicht mehr ein politischer Kopf ist, sondern ein launischer Spieler, dem es Spaß macht, die Erwartungshaltung der Medien und Parteien einfach mal so richtig zu enttäuschen. Das macht dann richtig gute Laune….

In Kiew oder in Sanaa hat man wirklich andere Sorgen, in Medellin ebenso wie in Kabul…wie können wir die Steuereinnahmen heben, wie die Sozialleistungen drosseln oder so ähnlich fragen sich die Polit-profi-komplex-fetischisten in Athen und in Brüssel? Der Schuldenberg ist schon längst nicht mehr in realistischen Zahlen darstellbar, sondern höchstens noch in Karikaturen – da lacht man einfach den unterschwelligen Horror weg. Ist doch wirklich witzig oder?

Und weiter betrachten konzentriert die altbewährten Auguren die letzten Wahlergebnisse: Es scheint so – der launische Wähler hat diesmal so getan, als wäre alles in Butter. An den gefährlichen Rändern des politischen Spektrums wuseln scheinbar Ewig-Gestrige in ihrem eigenen Spinnennetz und eiern in den eigenen Slogans wie gedopt umher. Keine Gefahr also für den braven Konsumenten. Gut durchatmen, gute Laune mimen und weiter so!

Und weiter drehen die Anzug-Figuren an ihren Zinsschrauben: Billiges Geld ist gutes Geld, dass nebenbei Gespartes der Kleinanleger verbrennt dabei, ist doch nun wirklich unerheblich. Man muss doch das große Ganze sehen, global denken und entscheiden.

Und weiter kann das kompakte Eigenschaftswort „global“ jeden Einwand wie nichts in die Wüste schicken, denn niemand möchte als Dörfler oder Provinzler verspottet werden. Globalisierung als „Strahlebegriff“ hat wohl auch weiterhin kostenlose Zauberkräfte parat – man muss nur schön dran glauben. Von dem schier unwiderstehlichen Charme der Digitalisierung ganz zu schweigen.

Wenn nun aber doch ein ganz unwichtiger Zeitgenosse hartnäckige Fragen stellen würde, wie sähen die denn dann vielleicht aus?

Was ist das für eine G e m e i n s c h a f t , in der Gewinn um jeden Preis immer auch der Gewinn von wenigen auf Kosten von so vielen ist?

Wird da nicht der Absatz auf Kosten der Konkurrenten in der ächzenden Restgemeinschaft nachhaltig gesteigert?

Werden da nicht die Arbeitslosen der insolventen Konkurrenten zu Niedriglohnbedingungen in Zweitniederlassungen mit schönen Steuervorteilen und „großzügigen“ Zeitverträgen gezwungen?

Ist die  G e m e in s c h a f t  der Konsumenten um jeden Preis nicht immer nur der lähmende Leerlauf konkurrierender Singles?

Ist die sogenannte Europäische Union ( G e m e i n s c h a f t ) wirklich eine Union und ganz Europa betreffend?

Wohl kaum. Einige scheinen sich in diesem Vertragszusammenhang lediglich als die großen Player, die auf der Suche nach billigen Arbeitskräften sehr erfinderisch sind, zu entpuppen, die gnadenlos verdrängen, was im Wege steht, und gnadenlos aussortieren, was nicht passt!

Ist diese EU – wie sie immer gerne als süßes Kürzel den Befürwortern über die Lippen huscht – nicht eher bloß ein probates Instrument dieser Gewinner, notfalls den Verlierern ordentlich Geld zu leihen, damit die wenigstens auf Pump die Produkte kaufen können, mit denen sie geflutet werden – ganz gleich ob Autos, Kriegsschiffe, Versicherungen oder Tabletten? Schafft man so nicht die endlosen Abhängigkeiten mit denen, die nie mehr unabhängig sein werden? Das sollen wir dann eine  G e m e i n s c h a f nennen?

Ist dieses bloß ökonomische Konstrukt EU nicht so etwas wie ein Schierlingsbecher, der allen als belebender Fruchtsaft gereicht wird?

Und könnte das Ende einer solch fatalen Zwangsveranstaltung nicht auch der Anfang einer endlich wieder selbstbestimmten Zukunft sein, die dann ein Europa beschriebe, das sich gegenseitig befruchtet und Freiräume entstehen ließe, in denen sich die faszinierenden Verschiedenheiten der verwandten europäischen Kulturen auf Augenhöhe begegneten?

Angst sollte den Europäern bloß das Weiterwursteln machen, nicht aber das Aufbrechen zu neuen, selbstbestimmten Ufern, von denen aus man bunte Brücken bauen könnte zu den anderen Europäern, die sich gerne unterscheiden wollen, sich gerne aber auch austauschen, immer aber sich selber treu und der eigenen Geschichte, die sich notfalls auch gemeinsam nach außen zu verteidigen wüssten. Dazu sollten die Völker Europas Lust verspüren: Die Epochen nach dem letzten großen Krieg sind vorüber – eine neue sollte freudig eingeläutet werden. Dazu brauchen die Europäer keinerlei Bevormundung mehr wie nach 1945. Und auch sicherlich nicht von etablierten Parteien, die wie Unternehmen nur ihre corporate identity pflegen und eben diese meinen, wenn sie von Gemeinschaft  säuseln.

Und neu – wie gesagt – bedeutet eben n e u und nicht alter Wein in neuen Schläuchen…Ebenbürtige Verwandte, die wir sind.

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