08 Jul

Europa – Meditation # 153

Europa, der weitsichtigen, wird auch weiterhin von kurzsichtigen Männern Gewalt angetan

Die Medien in Europa bedienen wie immer in vorauseilendem Gehorsam die Erwartungshaltungen der Nutzer: Da sei doch gerade in der EU so etwas wie ein Paradigmen-Wechsel im Gange – noch nie waren so viele Frauen in führenden Positionen in der EU! Jetzt kämen auch noch zwei Hochkaräter hinzu: Christine Lagarde und vdL. Auch in der BRD stürmen immer mehr Frauen alte Bastionen alter Männer: AM (seit 16 Jahren schon!) und AKK (schwarz), AlBb (grün) und SaWa (rotrot), die Liste ließe sich leicht verlängern, der Feminismus sei unzweifelhaft unumkehrbar und alternativlos vor dem Durchbruch in die höchste Männerliga…

Aber ist es nicht eher bloß eine Camouflage, kommen diese Frauen da oben nicht erst nach einer Wurzelbehandlung in Sachen Cartesianismus an? Müssen sie nicht erst die Weihen der europäischen und längst auch globalen cartesianischen Männerbünde erhalten haben? Nach der Taufe im Becken der Zahlen und Graphen wird ihnen noch der passende Hosenanzug und die teure Leder-lap-top-Tasche angelegt und schon dürfen sie mitbieten im Spiel um Einfluss und Macht in Europa und in der Welt. Nun stimmen sie ein in den sonoren Männerchor: Fortschritt, Wachstum, Tempo, Effizienz – das sind die vier Portalfiguren in den Tempel der Menschheitsbeglückung. Besonders Asiatinnen scheinen diesen Werdegang mit Verve anzustreben – bis hin zur entsprechenden Nasen-OP. Wild entschlossen stürmen sie mit furchtlosem Blick nach oben – wer im Weg steht, muss das Fürchten lernen.

So weit, so gut – oder eben auch nicht.

Denn die Frauen, die wirklich den Männern einen eigenen Lebens- und Weltentwurf entgegenzuhalten wagen, die haben es nicht nur viel, viel schwerer, nein, sie müssen auch permanent damit rechnen, dass sie restlos aus dem Weg geräumt werden:

          M a r í a   d e l   P i l a r           M a r i e l l e    F r a n c o

                        D a p h n e   C a r u a n a    G a l i z i a

                                                 und

                             M a r t i n a    K u s n i r o v á

um nur einige wenige zu nennen.

Wer in Europa – wer in der EU – kennt denn ihre Namen, weiß von ihrem Engagement und ihrem gewaltsamen Ende?

Europa, die weitsichtige, muss ja auch nach wie vor damit leben, dass ihre Geschichte vollmundig von erfolgreichen Männern erzählt wird, für die Gewalt immer eine naheliegende Option ist – privat wie politisch.

Doch wer war sie wirklich, diese weitsichtige Europa?

26 Mai

Europa – Meditation # 146

Wenden-Welle-wohl-möglich

Bevor an diesem denkwürdigen Abend die Stimmen derer, die in der EU wählen gegangen sind, weil sie etwas mit verändern wollen, ausgezählt sind, wäre ein kurzes Innehalten vielleicht ganz schön:

Natürlich“ werden über die Medien gleich wieder die Deutungswellen schwappen, „natürlich“ haben es die kritischen Geister auch schon vorher gewusst: Der Wählerwille neigt mehr und mehr zu launischen Kapriolen oder verweigert sich sogar einem Votum – was für eine ernüchternde Wahlbeteiligung! Und gleich wird wieder analysiert werden.

So stolpern wir Europäer von einem Moment zum anderen, ohne wirklich inne zu halten, nach-zu-denken und zu überlegen:

Warum wenden wir uns nicht freiwillig einem völlig neuen Europa zu, das den Rahmen der EU einfach sprengt, weil wir uns gerne

digital europaweit vernetzen

lassen, aber gleichzeitig auch unbedingt

regional europaweit nachhaltig verankert

sein wollen.

Beides ist doch heute schon Realität. Nur haben wir Europäer noch gar nicht bemerkt, dass es so ist, weil immer von den Chancen und Problemen der EU die Rede ist und nicht von uns Europäern.

Was wäre da jetzt alles möglich, wenn wir endlich die europaweite Dimension in den Blick nähmen?

Erstmals könnte Europa nachhaltig aus der

Rolle des globalen Räubers

aussteigen und einsteigen in die völlig neue

Rolle des Moderators, Retters

zwischen den kriegerischen Großmächten, die vor lauter nationalistischem Furor nicht mehr die tatsächlichen Probleme sehen können: Wie blind folgen sie einem Gefühlswildbach, der sie unkontrolliert stürzen lässt – von Klippe zu Klippe. Für die Beulen und Wunden sind dabei „natürlich“ immer die anderen schuld. Klar.

Wir hier in Europa haben doch zum Glück die Epochen unseliger Kriege und Machtposen hinter uns gelassen. Frieden seit mehr als siebzig Jahren! Unglaublich eigentlich und leider nur noch wie selbstverständlich konsumiert. Wie fast alles.

Nur Heimat lässt sich nicht konsumieren. Die lebt man. Und jeder in Europa beansprucht da ein eigenes, unverwechselbares Gefühl für sich, an dem er ein Leben lang strickt und poliert. Und jede Erzählung hat da ihr eigenes Recht, ihre eigene Berechtigung. Bürokratietürme oder Börsennotierungen kommen darin einfach nicht vor.

Warum sehen wir die historische Chance des brökelnden Augenblicks nicht?

26 Mrz

Europa – Meditation # 139

Europa – Neue Lage – Betrugsansage

Wieder und wieder wird in diesen Tagen das Gesellschaftsmodell „Herrschaft des Volkes“ in seiner repräsentativen Variante beschworen. Teilhabe sei die Zauberformel, Interessensausgleich, Dialog…

Aber scheinbar zieht das bei vielen nicht mehr wirklich. Sie fühlen sich betrogen und sehen, dass die sich vollmundig weiter Bereichernden mit Hilfe von großem Betrug große Geschäfte machen. Ungestraft. Teilhabe? Der Kuchen ist längst verteilt, den vielen bleiben nur viele Krümel.

Das kühle Nachdenken ist das eine, das wütende Aufbegehren das andere. Ob nun in gelben Westen oder in schwarzem Leder, dazwischen reihen sich auch ganz unscheinbare Zeitgenossen ein. Sie haben einfach genug von dem Demokratie-Modell-Gesülze. Sie werden nicht genug Rente haben, wenn sie dran sind – die Mieten tun, was sie sollen: Steigen, damit die Eigentümer noch reicher werden.

Wo ist da der Interessensausgleich?

Die einzige in dieser Republik, die gebetsmühlenartig die zu kurz Gekommenen im Blick hatte und dafür ordentlich medial abgestraft wurde, meldet sich nun krank. Und was beweist das? Dass sie falsch lag, dass der Kapitalismus sehr wohl eine soziale Marktwirtschaft erzeugen könne? Wohl kaum.

Scheinbar hat weder in der Neuen Welt noch in der Alten der Tellerwäschermythos für die allermeisten funktioniert. Man will sich einfach nicht länger über den Versöhnungstisch ziehen lassen. Und was den Betrug betrifft, so führen die Amis doch gerade anschaulich vor, dass Steuererklärungen nur etwas für kleine Leute sind und Nobel-Universitäten nötigenfalls auch bestochen werden können, damit die eigene, reiche Brut weiter brüten kann.

Aber wir Europäer müssen beim Nachdenken wirklich nicht die amerikanische Variante vor Augen haben, zu augenfällig ist die hausgemachte Verlogenheit in Politik (siehe Brexit – Referendum) oder Wirtschaft (siehe Cum-Ex-Steuerbetrüger ganz großen Stils), die Parteien haben sich längst den Lobbyisten angedient, Mieten, Renten…Korrupte Eliten landauf, landab. Es ist einfach zu offensichtlich, dass nur noch Nebelkerzen geworfen werden, statt der grenzenlosen Gier entschieden entgegenzutreten. Die EU vermochte auch nur die großen Industrien und die großen Infrastrukturprojekte zu fördern, die jungen Leute, Arbeiter, Studenten, Auszubildende sehen kaum mehr Land für ihre Zukunft.

So nennen sie zurecht die großen Betrüger im Bankwesen das, was sie sind: Miese Lügner und Betrüger, die sich reiche und teure Anwälte leisten können, mit denen sie jeden Prozess bis zum Sankt Nimmerleinstag strecken können. Mal sehen, wer den längeren Atem hat, scheinen sie zynisch grinsend zu provozieren.

Das macht wütend. Die Herrschenden haben ihren Kredit verwirkt. Dass viele der Wütenden dabei in selbstzerstörerische Muster fallen, ist nur ein weiteres Indiz dafür, wie hemmungslos das Gesellschaftsspiel gespielt wird.