31 Aug

Europa – Fortsetzung der alten Geschichte # 67

Auch auf dem Olymp gibt es Wanzen

Hör mal, das kannst du doch so nicht machen, Bruder!“

Jetzt sei mal nicht olympischer als der Olympier selbst!“ (Gekicher alter Männer)

Nach dem Fisch-Salat (wieder unterdrücktes Gelächter auf dem Olymp) landest du jetzt hoffentlich mal einen wirklichen Treffer!“ Poseidon grinst genüsslich, seinem Bruder eins auswischen zu können.

Willst du mich beleidigen?“

Leute, hört auf mit dem Gezanke. Ich muss dringend zurück in die Unterwelt. Sag mal, Zeus, ist dieser Sardonios überhaupt vertrauenswürdig?“

Na klar, der wartet doch nur darauf, den Frauen eins auswischen zu können.“

Und wieso ist der so prompt auf dein Geraune eingegangen? Normalerweise machen die Menschen doch ein irres Theater, wenn wir Götter ihnen etwas einzureden versuchen.“

Also mir hat noch keiner Theater gemacht…“

Ach nein, darf ich dich vielleicht daran erinnern, was damals mit diesem Orest gelaufen war, Bruder?“

Jetzt komm mir nicht mit dieser blöden Geschichte. Schließlich hat ja meine Tochter Athene den Ausschlag gegeben, dass sich unsere Sicht der Dinge doch noch durchsetzen konnte.“

Genau, Hades, du musst mir natürlich hier wieder in den Rücken fallen und für den großen Bruder Partei ergreifen. Echt prächtig, echt!“ Poseidon spielt den Gekränkten, zumindest ein bisschen.

Hä? Stimmt es denn nicht, was ich sage?“

Hörst du überhaupt zu? Ich habe das gar nicht bezweifelt. Du hast mal wieder nicht zugehört, Brüderchen!“

Kommt, jetzt ist aber auch gut. Wir haben geschworen und wir werden gewinnen. Punkt. Und dieser Sardonios ist schon auf dem Weg seine Handlanger zu wecken. Diese Europa ist heute Abend längst bei dir unten in der Unterwelt.“

Du kannst ihr ja einen würdigen Empfang bescheren“ grummelt Poseidon eher gelangweilt (wieder eine Kicher-Orgie dreier alter Männer, die nicht ahnen, dass ihr Olymp verwanzt ist)

30 Aug

Europa – Fortsetzung der alten Geschichte # 66

Wie kochende Lava – so brodelt es in Sardonios

Während Europa und ihre Freundin Chandaraissa, die Hohepriesterin, voller Zuversicht Zukunftspläne schmieden, rumort es im Bauch des Herrn über die Hofhaltung, Sardonios, oben im Palast. Archaikos, der Minos von Kreta, wacht gerade auf und schwelgt in sinnlichsten Tagträumen. Sardonios aber geht unruhig auf und ab in seinem Wohnsaal. Hin und her:

Entgleitet mir die Macht? Will der Minos mich los werden? Was verbirgt sich hinter dieser Fremden? Hat sie den Minos heimlich vergiftet, so dass er ihr nun hörig ist? Was ist mir entgangen? Europa! Was für ein hässlicher Name!“

Da streift ein Windhauch sein Gesicht. Er meint die Stimme ganz deutlich hören zu können:

Es ist nicht nur ein hässlicher Name, es ist auch ein Unglück bringender. Zögere nicht, sonst könnte es zu spät sein. Wenn der Minos sie an seine Seite holt, bist du erledigt.

Sardonios hält den Atem an. Ist da jemand? Oder hat er sich die Stimme nur eingebildet? Wie auch immer. Ich werde meinen beiden Versagern ein Angebot machen, das sie nicht ablehnen können. Und wieder dieser Windhauch. Und leises Gelächter. Wer lacht ihn da aus? Sardonios tobt, schnürt sich den schwarzen Ledergürtel um und hastet hinaus zur Stadt hinunter. Noch heute soll sie sterben, noch heute, faucht er dabei vor sich hin.

27 Aug

Europa – Meditation # 109 Monte Scherbolino II

Monte Scherbolino II

Im Frühling 1945 blühten nicht nur üppig die Kirschen und Äpfel im alt gewordenen Europa, sondern es türmten sich auch gewaltig die Trümmer in Europa und Asien in noch nie dagewesenem Maße auf. Wie sollte man zu einem friedlichen Zusammenleben in Europa zurückkehren können? „Nie wieder Krieg!“ tönte es verängstigt mancherorten. Vielerorten wurde das Grauen, das sich unter all den Trümmern und Gräbern verbarg, in schöne Sprachbilder notdürftig verpackt und verniedlicht: Monte Scherbolino zum Beispiel.

So fanden die ersten Gastarbeiter aus Italien tatsächlich ein Wort im sperrigen Deutsch vor, das zumindest von der Sprachmelodie her an die eigene erinnerte – Monte Scherbolino. Niedlich. Oder?

Sonst war einfach nur Wiederaufbau angesagt.

Und die, die noch vor kurzem die erbittersten Feinde waren, fluteten das Land mit enormen Krediten für diesen Wiederaufbau. Auch verordneten sie den Besiegten ein neues politisches System: Eine repräsentative Demokratie, in denen wenige große Parteien das Sagen haben sollten. Fünf-Prozent-Klausel usw.

Das ist jetzt mehr als siebzig Jahre her. Und wieder scheint sich ein Trümmerhaufen zu erheben. Was für Trümmer denn?

Gut, die WM ging rasant den Bach runter, aber Export-Weltmeister sind wir nach wie vor – und dieses Jahr schon wieder. Wer redet da von Trümmern?

Fangen wir einfach mal an mit den Parteien (auch von den Kirchen wird noch die Rede sein müssen!)!

Fast ungebremster Mitgliederschwund – besonders bei den ehemals ganz großen Parteien! Das Zittern vor den kommenden Landtagswahlen ist fast körperlich zu spüren. Woran könnte es liegen, dass kein Verlass mehr ist auf den Wähler – wie früher? Das Wahlvolk mutiert mehr und mehr zu launigen Schmollern und trotzigen Verweigerern?

Die „Wolke“ scheint der neue Marktplatz der Eitelkeiten und Informationen zu werden, auf dem man sich anonym treffen kann, rumhört und dann aus der hohlen Hand eine schnelle Entscheidung trifft.

Parteiprogramme, lange Rede sind nur noch etwas für die Tonne. Und all das häuft sich dann auf dem neuen Müllberg – dem Monte Biliebicato.

Kurz und knackig, möglichst provokant und witzig auch sollte der politische Slogan sein – dann gibt es eine Chance auf Aufmerksamkeit. Morgen schon wieder vergessen. Und unter dem Monte Scherbolino II – alias Monte Biliebicato – modern nun die leeren Versprechungen der politischen Parteien vor sich hin. Schwamm drüber. Der Bürger aber bildet sich sein Urteil selber in kleinem Kreise. Kritisch, solidarisch trifft er mit seinesgleichen seine Entscheidungen für seine Kommune – und die Parteien können sehen, wo sie bleiben.