10 März

Europa – Meditation Nr. 492

Scherben – Kaleidoskop

„Nun zerbricht der Westen, Europa und Deutschland stehen vor den Trümmern einer Weltordnung, Demokratiefeinde, Gewaltherrscher und Kriegsherren glauben an ihre Stunde.“ (SZ Nr. 52, Dienstag, den 4. März 2025 M e d i e n , Seite 9 „Sehnsucht nach den alten Sorgen.“ )

Was für ein apokalyptisches Vokabular wird da herbei bemüht! Geht es vielleicht auch eine Nummer kleiner? Zappelnd hangeln sich die Europäer von einer scheinbaren Zäsur zur nächsten: Jede Dekade ein irrlichterndes Event hält uns mit hehren Narrativen halbwegs wach: Der eiserne Vorhang fällt.rums! Der overkill steht vor der Tür, wow! Agent Orange regnet flächendeckend vom Himmel, Ohje! Ölkrise ist angesagt, teuer, teuer! Wir stehen zum Doppelbeschluss, treu zur Seite, klar! Plötzlich fällt die Mauer um, juchhu! Bankenbluff reißt Erspartes mit ins Nichts, Mist! Die Eine Welt, ein Kartenhaus, huch! Und jetzt auch das noch: Hofnarren huldigen ihrem Trampeltier, als wäre es von Gott gesandt, aua!

Dabei scheint es doch in all den Jahrzehnten nur darum gegangen zu sein, Bodenschätze zu verheizen, Reichtümer und Armut zu vermehren, Versiegelungen zu feiern wie unschuldige Gartenfeste und der Zauberformel vom Wachstum zu huldigen, als wäre auf der Skala nach oben kein Ende abzusehen.

Und der Lehrmeister in diesem makabren Totentanz war kein anderer als der „Befreier vom Bösen“, der den irregeleiteten Europäern großherzig verzieh und sie nachhaltig umerzog in seinem Sinne: Investieren, Schulden machen, mehr verbrauchen als man braucht und gnadenlos expandieren und den Zurückgebliebenen Entwicklungshilfe verordnen als Therapie hin zu Wohlstand für alle. So die Botschaft, die in allen Farben des Spektrums glitzerte und funkelte, als wären es harmlose Lichtspiele. In Wirklichkeit aber ist es der systematische Raubbau am Planeten Erde, auf dem die derzeitige dominante Species homo sapiens sapiens fleißig bis hysterisch an der eigenen Demontage werkelt.

Ist vielleicht ein Moment des Innehaltens möglich? Ein kritisches Betrachten dieser verflossenen Dekaden? Ein Einsehen, dass es mit Nebelkerzen und Stereo-Anlagen verstärkt ein wirklich unnatürlicher, dummer Weg war, der da unter der Flagge von „Freiheit, Demokratie, Individualismus“ immer mehr Zwänge, Fremdbestimmung und Einsamkeit als Eckpfeiler in unser Bewusstsein rammte?

Brauchen wir Europäer geradezu diesen Trampelmann in Übersee, damit wir endlich zur Besinnung kommen und uns angewidert von unserem eigenen Zerrbild abwenden können? Wollen? Müssen?

Dann könnte endlich eine Dekade beginnen, die eine Rückkehr zu den Lebensmustern der Natur und unserer eigenen Natur darin führen wird, die vor allem dadurch gekennzeichnet sein muss, dass der homo sapiens in moderater Echtzeit den Rhythmus des Kosmos anerkennt und nutzt, seine Lebensbasis wieder zu festigen statt zu ruinieren.

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