12 Feb.

Europa – Fortsetzung der alten Geschichte # 182

Der Fremde im Hafen lässt die Katze aus dem Sack.

Es hätte ein ganz normaler Alltag der Fischer im Hafen werden können. Aber es gibt so viel zu bereden. Was wohl die Untersuchung oben im Palast herausbekommen wird? Wie dieses große Loch am Eingang zustande gekommen ist? Wer die Baumstämme und das Geäst darüber gelegt haben könnte? Lustlos flicken alte Männer ihre Netze. Hin und her fliegen dabei ihre Gesprächsfetzen. Vor den Häusern rund um das Hafenbecken spielen Kinder und schreien ihre Lebensfreude in den Tag. Mütter stehen in den niedrigen Hauseingängen und tuscheln mit den Nachbarinnen. Es gibt wirklich nur ein Thema: Wer könnte hinter dem Anschlag stecken, wer? Die Mittagssonne hinter einem gräulichen Schleier dennoch strahlend hell.

„Der Regen, der hat das Loch verursacht, wer denn sonst!“ knurrt ein bärtiger Kreter in die Runde nickender Fischer.

„Nee, nee, das glaub ich nicht, meckert ein anderer, der schon eine Weile einen Fremden beobachtet, der scheinbar planlos von Gruppe zu Gruppe schlendert. Wer könnte das sein? Nie hier gesehen. Jetzt kommt er zu seiner Runde.

„Habt ihr schon gehört, was bei der Untersuchung gefunden wurde, oben?“ fragt da der Fremde möglichst beiläufig dazwischen. Man wendet sich eher ab als zu ihm hin, obwohl alle vor Neugierde fast die Luft anhalten.

„Was soll da schon raus kommen, Fremder!“ bellt schließlich Trasopas zurück, „die stecken doch alle unter einer Decke!“ Beifälliges Gemurmel. Aber man wartet gespannt, was der Fremde erwidern könnte.

„Nun, die fremde Frau – wie heißt sie doch gleich?“ beginnt er bedächtig.

„Europa, Europa“, geht es bewundernd von Mund zu Mund, was den Fremden – es ist kein anderer als Suezzos, der kürzlich erst die Ratsherren in ihrer geheimen Sitzung zu dem todsicheren Anschlag angeregt hatte – ziemlich ärgert. Schließlich hat er mit der ja noch eine Rechnung offen.

„Trasopas!“ ruft im selben Augenblick Thiala nach ihrem Mann, „wir wollen essen!“

„Ja, ja“, brüllt er zurück, „gleich!“ denn er möchte unbedingt noch hören, was der Fremde zu Europa zu sagen hat. Soll die etwa den Anschlag geplant haben, um ein paar der Ratsherren loszuwerden?“

„Ja, richtig, Europa, die sollte eigentlich da runter knallen, bezahlte Männer hätten sich von zwei Ratsherren dazu anstiften lassen. Möglichst mit beiden Söhnen – alle auf einen Schlag.“

Die Fischer sind sprachlos. Ratsherren? Europa und ihre Söhne zu Fall bringen? Nach einem Augenblick des Schreckens will einer von ihnen aber die Quelle für dieses Gerücht wissen:

„Wer hat es dir gesagt, wo hast du das gehört, Fremder?“

Suezzos genießt die Aufregung der Fischer. Er atmet tief durch, zieht die Augenbrauen hoch und die Mundwinkel herunter, dreht den Kopf zurück, als wenn hinter ihm ein Spion stünde, der nur darauf wartet, ihn für diese geheime Nachricht umgehend festzunehmen. Er weiß sich als Olympier natürlich jederzeit wirkungsvoll in Szene zu setzen, auch als kleiner Suezzos auf Kreta vor dummen Männern, die ihm natürlich nicht gewachsen sind. Ihm ist jetzt nur wichtig, diese ungeschickten Ratsherren für ihr Missgeschick oben vor der Höhle zu bestrafen: wie kann man nur so eine sichere Sache so verhunzen? Zeus ist richtig wütend. Wenn er wieder im Olymp zurück ist, muss er sich eine gute Ausrede einfallen lassen, denn seine Tochter Athene ist viel zu schlau, als ihm diese Ida-Geschichte zu glauben. Aber eins nach dem anderen. Jetzt will er zuerst hier auf Kreta noch schnell völlige Verwirrung schaffen, damit die allzu stolze Europa einfach nicht zur Ruhe kommen kann. Er ist noch nicht fertig mit ihr, darauf kann sie sich jedenfalls verlassen!

„In einer Pause während der Untersuchungssitzung kam einer, es war wohl Keltberias, vor die Tür und quatschte mit einem Mann mit Kapuze, ich stand zufällig hinter einem Baum ganz in der Nähe.“

Das sitzt. Allein der Name eines Ratsherren genügt, um die Zuhörer glauben zu lassen, dass er die Wahrheit erzählt.

„Ich muss los“, setzt Suezzos hinterher, er will keine weiteren unangenehmen Fragen beantworten.

10 Feb.

Europa – Meditation Nr. 486

Das Klima im Wahlkampf.

Ganz schön missverständliche Überschrift – oder!? Die Medien lassen sich allzu leichtfertig vor die Karren der nach der Macht gierenden Parteien spannen. Denn die Themen, die sie tagaus tagein bedienen, sind iimmer dieselben: Migration, Migration, Migration, Abbau der Bürokratie, Ankurbeln der heimischen Industrien und treu im Bündnis einen langen Atem behalten. Vor lauter Vergleichen mit dem Ende der Weimarer Republik wird nur noch ein Angstszenario nach dem anderen beschworen, um die Wähler nachhaltig zu beeindrucken. Aber sonst?

1. Variante der Klima-Veränderung:

Das Klima im Wahlkampf ändert sich rapide: Nach den unvorhergesehenen Ereignissen im deutschen Bundestag in der letzten Woche ist die Aufregung im Parlament, aber zum Glück auch auf den Straßen enorm gewachsen. Inzwischen muss sogar die Frage erlaubt sein, ob das ganze Theater nicht der „Strauss-Effekt“ ist, nämlich mit bedrohlichen Krisenszenarien, die man selbst mit betreibt, den verunsicherten Wähler in die „richtige“ Richtung zu manövrieren. Das wäre zwar nichts weiter als eine weitere Verrohung der politischen Bühne, böte aber die Möglichkeit, die verbleibenden 40% Unentschlossener doch noch zu mobilisieren.

Dass die Schere nicht nur zwischen den wenigen sehr Reichen und den vielen Existenzbedrohten, sondern auch zwischen den immer länger lebenden Älteren und den immer weniger werdenden Jüngeren immer mehr auseinander geht, scheint eher wie ein Nebenschauplatz, obwohl er doch mitten ins Herz zielt: denn die erhofften dynamischen Wirtschaftsveränderungen im Feld des Digitalen bleiben weiter aus. Nur die großen amerikanischen und chinesischen Plattformen verdienen sich weiter eine platin-goldene Nase, sammeln weiter kostenlose Daten und investieren ihre Gewinne an der Börse. Nichts davon kommt der Gesellschaft zugute, nichts davon kann für das Gesundheitssystem, das Bildungssystem oder gar das Rentensystem genutzt werden.

Und dass all diese ächzenden Volkswirtschaften dringend neue, junge ausgebildete Arbeitskräfte brauchen, ist zwar unausweichlich, aber wie sollen sie denn jetzt so schnell aus dem Boden gestampft werden?

Da wäre eine ganz andere Migrations-Debatte nötig: Wie können wir unseren Standort attraktiv machen für kompetente Ankömmlinge oder wie können wir sie möglichst schnell attraktiv werden lassen – durch gut bezahlte und engagierte „Native-speaker“ zum Beispiel? Wir sollten so ehrlich sein und uns endlich vom Standpunkt des Samariters verabschieden und einsehen, dass diese Fremden die sein werden, die uns beim Aufrechterhalten lieb gewordener Wohlstandsstandards unbedingt von Nöten sind. D.h. auch da müsste das Klima wesentlich verbessert und nicht verteufelt werden!

2. Variante der Klima-Veränderung:

Während im Vordergrund auf der politischen Bühne ein ausrastendes Rumpelstilzchen einen Veitstanz nach dem anderen inszeniert, oder jemand sich hinstellt und steif behauptet: „Hier steh ich, ich kann nicht anders“ , um das dann als politische Geradlinigkeit und Stärke in der Krise aussehen zu lassen, schwelt im Hintergrund von all dem Theater-Lärm die eigentliche Klima-Krise weiter und weiter – mit Folgen, die wir mehr und mehr auch in unserem Alltag werden erdulden müssen. Dass aber gerade diese Krise zur Zeit kaum zentral zur Sprache kommt, fällt entlarvend auf die so Sprechenden zurück: Es sind hilflose Ablenkungsmanöver, die Migrationsfrage ohne die dazu gehörige Klima-Thematik zu skandalisieren. Wem es wirklich um das Wohl des Volkes geht, der darf doch keine Minute vergehen lassen, um gemeinsam mit allen, die guten Willens sind, Maßnahmen zur Eindämmung und zum Gegensteuern zu organisieren. Wie kann man denn im Jahre 2025 dieses

großes Thema so sträflich kleinreden oder gar fast völlig unterschlagen?

Hier als Einstimmung ins Thema ein Zitat von Friederike Otto (Professorin am Imperial College in London, Klimaforscherin)

„Der Klimawandel verstärkt die Ungleichheit: Die, die am wenigsten haben, sind die Ersten, die ihre Lebensgrundlage, die ihr Leben verlieren. Dabei würde es unglaublich viel sparen, wenn wir keine fossilen Brennstoffe mehr verbrennen. Enorme Kosten für unsere Gesundheit entstehen, weil wir in Monsterstädten wohnen, die nur für Autos gebaut sind. Wir müssen so nicht leben! Wir müssten aber unser Wertesystem ändern: Es geht nicht darum, wie hoch das Bruttoinlandsprodukt ist, sondern wie die Gewinne verteilt sind. In unseren westlichen Gesellschaften tun wir so, als würden politische Kompromisse geschlossen, die legitime Anliegen verschiedener Gruppen gegeneinander abwägen. Was aber tatsächlich abgewogen wird, sind finanzielle Interessen einiger weniger gegen die Menschenrechte eines Großteils der Weltbevölkerung.“

06 Feb.

Europa – Meditation Nr. 485

Den Zocker mit seinem eigenen Spiel schlagen!

Medial gesehen ist es zwar eine gute Show, wenn jeden Tag für neue Überraschungen noch und noch gesorgt wird – – von denen die meisten allerdings schon am nächsten Tag wieder in der Versenkungen verschwinden – aber in der analogen Welt zählen eben nur Zahlen, die etwas bringen. Und da muss halt jeden Tag ein neuer Deal auf den Tisch des Hauses geknallt werden.

Übrigens – schon vergessen? – sein einziges Mantra lautet:

mit Geld kann man alles bekommen, was man will. Man muss nur wollen und dann einfach machen, Schlag auf Schlaf. Der beste Bluff ist immer noch: gleich der nächste, damit der Gegner gar nicht erst die Chance hat, sich über den alten zu beschweren oder ihn gar als Bluff zu entlarven.

Und weil Geld und eben deals damit sind Mantra ist, behandelt das goldfarbene Rumpelstilzchen auch internationale Verträge oder völkerrechtliche Verpflichtungen und Rechte wie Spielregeln beim Pokern: macht kann sich dran halten oder – wenn man schlau ist – auch nicht. Tarnen und Täuschen hat schon immer zum Erfolg verholfen. Man muss sich eben zu trauen. Und der Erfolg gibt einem ja auch recht!

Dann schau ich mir an, was die Filetstücke beim nächsten Deal sind und schon biete ich. Biete mehr, blöffe und schon bin ich der Gewinner. Ich bin einfach schneller.

Natürlich ist der kalte Zynismus dieses Zockers schwer zu ertragen. Aber er ist von Wählern mit einer Mehrheit in diese Rolle gewählt worden. Jetzt muss man eben für vier Jahre mit den Folgen leben. Und wenn man nur halbwegs so klug sein will, wie er es gerade täglich vorlebt – eine hektische Ein-Mann-Show – dann hilft nicht nur die transparente Solidarität der Betrogenen in seinen Luftblasen-Deals, die nicht bereit sind, dieses Spiel/Deal zu akzeptieren. Vordergründig und mittelfristig muss man ihm wohl auf seinem Niveau kontern – also auch blöffen und Deals anbieten – wohl wissend, dass es Eintagsfliegen sein werden – langfristig aber bedarf es eines langen Atems, gebührender Gelassenheit und ihm scheinbar Narrenfreiheit gönnen, damit er in seinem narzisstischen Rausch Fehler über Fehler macht, die ihn dann selbst zu Fall bringen werden.

Devise: Schadensbegrenzung, so viel wie möglich, unterhalb der sogenannten Deal-Schwelle am Bestehenden festhalten, abwarten und gute Miene zum bösen Spiel machen, bis sich der große Player selbst aus dem Spiel nimmt, weil er schließlich übertreibt und die Kontrolle über die eigene Deal-Strategie verliert.

Aber sich auch nur einen weiteren Tag über seine Spontan-Welt-Rettungs-Konzepte aufzuregen, ist absolute verschwendete Energie, die viel nötiger für die Schadensbegrenzung sein wird.Übrigens: der goldfarbene Trumpel hat überhaupt keine Visionen: er spielt nur damit wie mit den Chips beim Roulette: „Heute setzt ich auf Rot, morgen auf schwarz und dann alles auf eine Karte!“ Gewinnen werde ich sowie so:

Gaza à la Riviera“

Grönland our next state

Canada heim ins Deal-Land

Panama for the winner. And the winner is…

Europa to hell

I win any war anyway and any game at all

Stimmung, Kamelle, de Prinz kütt!