18 Jan.

Europa – Meditation Nr. 481

Wildwechsel Januar 2025

Mit Hilfe von Zahlen haben die Primaten um sich herum ein feinmaschiges Raster geschaffen, mit dessen Hilfe sie schon ziemlich lange versuchen, ihre eigene, willkürliche und chaotische Existenz ein Stück weit wenigstens berechenbar zu machen. Nun kommt wieder so eine Zahl auf sie zu: 20.01.25

Die medialen Wellen schlagen hoch. Horoskope sehen dagegen da schon richtig alt aus. Wird die Welt sofort oder erst am nächsten Tag oder doch erst im Februar untergehen? Wird der home-made-prometheus die Flammen in der Ukraine und in Palästina mit einem Schlag zu löschen wissen? Wird Europa über Nacht gezwungen sein, ganz ohne den großen Bruder einen teuren Krieg alleine führen zu müssen? Flankiert von dem Wellenrauschen in den social media – wird er uns beweisen können, dass Lügen bloß eine besondere Variante der sogenannten Wahrheit ist und die Sprache sowieso ein willfähriges Chamäleon?

Wie hilfreich sind doch all diese Angst-Ansagen: Sie mobilisieren die letzten Reserven an Bewusstseinsmustern – zumal an diesem 20.01.25 der Veittanz indoor stattfinden muss – draußen ist es einfach zu kalt derzeit in Washington – all die Gefolgsleute und -leutinnen müssen sich ganz schön warm anziehen, denn es werden nie gehörte Botschaften verkündet werden. Sie werden alle alles abnicken müssen, auch wenn der bare Unsinn umgeht. War da das Gedicht von vor vier Jahren, das Amanda so vehement vortrug, nicht geradezu ein Schlaflied für die Intelligenzia der Ost- und der Westküste?

Jedenfalls wird die mediale Aufmerksamkeit sicher fast so groß sein wie beim Rose-Ball – leider werden aber die so schön teuren Werbeeinschübe fehlen. Wie schade!

Und der Redenschreiber kaut gerade an seinen Fingernägeln und zittert ein bisschen, denn es seinem Master recht zu machen, ist gar nicht ohne: Soll es mehr grollen oder soll es mehr hymnisch klingen – so ein bisschen nach „geheime Offenbarung“ für die Zukunft der Primaten im Weltall. Sollen sie doch einfach den Müllhaufen „Planet Erde“ hinter sich lassen. Ausgepupt.

Was wohl der künftige Pentagon-Chef schon für Kassiber seinem Massa durchsticht, ist auch nur dem chinesischen Geheimdienst und dem in Tel Aviv bekannt – oder? So ein integrer Mann, so ein furchtloser Pragmatiker! Da hat der Goldschopf wirklich eine gute Wahl getroffen, wie alle seine Wahlen! So eine treue Gefolgschaft! Nur ein falsches Wort (aber wie soll man wissen, welches falsch und welches weniger falsch ist?) und du bist Weg vom Geld. Das Gebelle der besserwisserischen Europäer ist doch nur der pure Neid. Er wird denen den Schneid abkaufen, dass selbst der Typ im Kreml die Luft anhält.

Die nächsten vier Jahren werden also nicht unter dem Motto „Der Zauberer von Oz“ firmieren, sondern unter dem „Das Rumpelstilzchen von Florida“. Ein wilder Wechsel zum Davonlaufen.

12 Jan.

Europa – Meditation Nr. 480

Wie die Aufmerksamkeit längst zur WARE geworden ist. Brainrot.

Wenn der bayerische Ministerpräsident vor laufenden Kameras todernst Text macht derart, dass Herr Habeck „ja“ die De-Industrialisierung Deutschlands anstrebe und deshalb als Koalitionspartner nun wirklich nicht in Frage käme, so ist das eine Lüge großen Ausmaßes, mit der er allerdings durchzukommen scheint, obwohl doch jeder halbwegs informierte Zeitgenosse weiß, dass den Grünen gerade eine Modernisierung der Industrie am Herzen liegt. Natürlich wird sich der Verbreiter dieser Falschmeldung verbieten, mit Trump in eine Schublade gesteckt zu werden. Doch die Muster, die Söder bedient, sind beileibe gute Verwandte von „America first“- Diktion und diskreditieren sich „eigentlich“ selbst. Doch sie tun es nicht. Sie sind noch weit über der üblen Machart Trumpscher Prägung einzuordnen, weil sie sich in der Diktion so wahnsinnig als seriös anbiedern, aber nichts anderes sind als miese Taschenspielertricks der übelsten Sorte. Aber wo ist da jetzt der empörte Aufschrei resoluter Demokraten, wo die unabhängigen Medien, die besorgt die rote Karte zeigen? Wo? Nichts, weit und breit.

So kann einem nur Angst und Bange werden, wie die Sprüche sich in den nächsten Wochen bis zur Wahl noch entwickeln werden: Auf der sogenannten Sachebene einfach massiv – flankiert von kichernden Followern in den social media – den politischen Konkurrenten mit falschen Zuweisungen zuschütten und sich selbst als Mister Saubermann profilieren, der „um die Ängste der verunsicherten Bürger“ weiß und „alles tun wird, dass endlich wieder solide Politik für den Bürger“ gemacht wird.

Und wenn man sich vor Augen führt, wie falsch die Meinungsumfrage-Institute in den USA lagen, dann kann man nur hoffen, dass uns so etwas erspart bleibt: die Wechselwähler, die Jung- und Erstwähler und die „Last-Minute-Player“ könnten sich alle kurzfristig für die oder den entscheiden, der gerade einen „coolen Spruch“ im internet losgeschickt hat, der so viele likes und follower hat, dass man einfach mit dabei sein will, wenn die Sektkorken knallen. Als wäre der Wahlabend bloß ein „Event“, dass man medial so richtig abfeiern möchte – und natürlich als „winner“ .

Wenn dann in den Mühen des politischen Alltags die Gewinner sich plötzlich als Kleinbrettbohrer wiedersehen, können sie sich natürlich nicht mehr daran erinnern, was sie alles vollmundig vor der Wahl versprochen hatten. Und Lügen? Was denn für Lügen?

Da zitiert man dann gerne Konrad Adenauer: „Meine Damen und Herren, „wat kümmert mich ming Jeschwätz von jestern?“ Da können alle schön lauthals lachen, jovial Schulter klopfen, und die wirklich miesen Beiträge von damals sind kein Thema mehr. Natürlich auch die damit einher gehenden Kollateralschäden.

Was tun jetzt? Am besten die dreistesten Sprüche sammeln, auf großen Transparenten zu Markte tragen und die Lügner als solche brandmarken, gebetsmühlenartig. Denn wie in der Werbung hilft eben nur die Wiederholung. Am besten diese Transparente direkt neben den Ständen der Parteien aufbauen, die die Lügen in die Welt gesetzt haben. Wenn die dann Platzverweise erwirken wollen, statt zu argumentieren, wird wohl auch dem letzten unentschlossenen Wähler klar, dass man Tarnen und Täuschen angesichts der anstehenden Probleme wirklich nicht als „nach vorne weisende Politik“ bezeichnen kann.

08 Jan.

Europa – Meditation Nr. 479

Als läge Syrien mitten in der Ukraine, benachbart von einem zerbröselnden Palästina…

2024/25

Wie zufällig mäandert der Zufall durch unzählbare Zeitstrahlen, als wäre es ein wunderbarer Funkenflug prächtiger Geminiden, übersieht dabei nicht einmal den kleinsten Schicksalswink, verteilt in schöner Willkür kleinste Paketchen originellster Lebensskizzen, einfach so und unablässig fort und fort. Kalt und fast völlig harmonisch verstummen nicht nur die endlosen Sphären des sich unermesslich weitenden Alls, auch der volle Mond lächelt scheinbar wissend dazu. Oder sind es nur sehr leise Klänge, die deshalb gerne überhört werden können oder immer schon vorüber sind, wenn im Erwachen des Winters Ein- und Ausatmen schwächer und schwächer wird, weil die Erschöpfung ihren weltumfassenden Tribut fordert? Und das nicht nur beim Versinken seeuntüchtiger Flüchtlingsboote, nein, auch beim Zerfallen mehrstöckiger Wohnblocks am großen Fluss im Osten oder in staubigen Dünenlandschaften gleich am mittleren Meer: große Augen kleiner Kinder schauen voller Angst in grelle Lichtblitze, Wellenberge und Feuer speiende Stahlrohre. Sind es nur falsche Träume, die den satten Zuschauern da zufällig im sicher falschen Programm über die Bildschirme flimmern, sind es bloß gut gemachte Filme oder hat sich die Wirklichkeit des ablaufenden Jahres einfach den fiktionalen Verhältnissen unmerklich angepasst, damit dem Verbraucher das Unterscheiden erspart bleibt, von Handlungsaufforderungen ganz zu schweigen?

Stille, Dunkelheit und Kälte geben den Ton an – und das nicht nur passend zur Jahreszeit, nein auch wie bestellt und umgehend abgeholt auch schön zubereitet zur sonstigen Gemengelage zufälliger Karambolagen, für die es auch keine Versicherungen gibt. So glimmen im Kleinen wie im Großen die heimlichen Glutnester still vor sich hin, wachsen mancherorts zu wahren Orgien der Gewalt und gnadenlosen Zerstörung, aber auch zu wärmender Stärke sich helfender Wesen, die im unerbittlich weiter strömenden Fluss der Zeit wie kleine Inseln Anker werfen, an denen sie sich wenigstens vorübergehend festhalten können.

War es ein Fest, ist es ein Fest oder wird es eins werden, bevor die zufälligen Zeitwinde wieder neue Lüfte bewegen, die wir für andauernde Wetterlagen halten wollen? Denkend schaffen wir so inmitten weiter zerbröselnder Gewissheiten eine kleine Dauerbleibe im unendlichen Fluss frei erfundener Deutungswelten, die wir bescheiden oder auch voller Selbstbewusstsein zum Gebrauch erkoren haben, weil sie einfach tragfähig sein sollen, weil wir meinen, es zu können und es so auch zu wollen mögen.