11 Jan

Europa – Meditation # 126

Europa – Im Irrgarten der selbst erfundenen Geschichten – Teil II

Die Selbstentfremdung nimmt allmählich Fahrt auf. Und die Einsamkeit der Großen beginnt sich schleichend auch auf die Kleinen zu übertragen. Die Apparate sind inzwischen fast überall dabei: Am Arbeitsplatz, in der Küche, in der Schule, in den Kirchen, auf Rastplätzen und Friedhöfen – und natürlich versorgen wir das sogenannte Weltall nicht nur mit unserem Müll (wie die Meere), sondern natürlich auch mit unseren einfachen Geräten, die außer 0 und 1 wenig zu bieten haben in ihren metallenen, kalten Hüllen.

Wie einst die Entdecker machen wir uns wieder vermessend auf die Reise (wir meinen ja zufrieden sagen zu können, dass auf der Erde kaum mehr etwas zu entdecken sei), diesmal möchten wir gerne den „Rest vor der Tür“ ordentlich vermessen, damit uns nichts mehr fremd sei.

Als wäre uns unsere Welt und wir uns selbst inzwischen vertraut geworden!

Stolz schauen wir uns die Bilder an, die unsere Sonde New Horizons von der Ferne ins Haus schickt (wie bei der Paketsendung können wir genau verfolgen, wie lange die Bildreise dauert – wie beruhigend, wir haben alles unter Kontrolle).

In manchen Journalen kann man sogar lesen: Nun sei uns sogar die Reise bis ans Ende des uns bekannten Weltalls geglückt. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. So kartieren wir fleißig weiter und halten das Aufgezeichnete für das, was es bitte schön auch zu sein habe.

Hier vor Ort – damit uns doch nicht noch unheimlich wird angesichts der Tiefe des „Raums“, dessen Entstehung wir mit dem hübschen Wort „Urknall“ zu umschreiben wir uns angewöhnt haben – hier machen wir weiter wie gehabt: Was für eine schöne Ablenkung, was für ein Trost!

Unterhaltung auf allen Kanälen, Tag und Nacht,

Klagen über die Kapriolen des Wetters (was hatte man nicht schon gewettert über fehlenden Schnee und alles, was damit zusammenhängt: die vielen Arbeitsplätze, die rostenden Lifte, die Leerstände in wunderbaren Berghotels etc.!), Klagen über Hochwasser als Zugabe frei Haus in Kürze,

Klagen und Empörung über die Verrohung von Sprache und Alltag

und natürlich über die Unpünktlichkeit von Flugzeugen und Zügen!

Aber jedem halbwegs sensiblen Zeitgenossen wird inzwischen deutlich, dass den Machern von Banken, Politik, Wirtschaft und Militär nicht nur der bewährte Sinn abhanden zu kommen droht, sondern ihnen auch keine Medizin einzufallen scheint, wie Abhilfe – Not wendende – zu schaffen wäre.

So möge der Zeitgenosse die Dinge selbst in die Hand nehmen!

Aus der scheinbar ausweglosen (hier böte sich natürlich auch mal wieder das probate Wörtchen „alternativlos“ an) Krise gibt es nämlich auch immer den Weg, den man selbst bewusst als Ausweg wählen will.

Eine aufregende, verlebendigende und erfrischende Perspektive.

Verschieben gilt nicht – am besten gleich mit dem Nachbarn beklönen.

Dann sind es schon zwei…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.