14 März

Europa – Meditation Nr. 493

Auf dem Floss der Medusa?

Europa in schwerer See. Auf jeden Fall. Die Staatsschulden in Frankreich, Italien und Portugal haben bereits eine Größenordnung erreicht, die zwar nicht mit der der USA zu vergleichen ist – astronomisch – die aber zurecht Besorgnis erregend zu bezeichnen ist. Nun hechelt Deutschland hinterher: mit zwei riesigen „Sondervermögen“ will die sogenannte politische Mitte aus der beängstigenden Sogwirkung einer sich ausbreitenden Rezession heraus rudern.

Vor 80 Jahren sah es verheerend in ganz Europa aus, Deutschland durchweg eine einzige Trümmerlandschaft und so viele Opfer, so viele! In Gaza oder im Südosten der Ukraine sieht es jetzt ähnlich schlimm aus, von den Flüchtlingslagern in Afrika ganz zu schweigen. Hasardeure haben Konjunktur – wie in den 30er Jahren schon einmal – Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber die ewig Gestrigen holen sich dennoch dort ihre ikonischen Vorbilder, auf Teufel komm raus.

Da muss unter den Menschen der Angst unbedingt etwas Kraftvolles, Positives entgegen gesetzt werden. Aber was könnte das sein? Ironischerweise scheint mutig „Schulden machen“ der Anfang eines Abwenden Könnens in dieser Situation zu sein. Auch Brüning hatte Anfang der 30er Jahre riesige Investitionspläne in der Schublade (u.a. jede Menge Infra-Struktur-Großprojekte wie Autobahnen etc.), doch die Straßenschlachten der Rechten gegen die Linken gepaart mit einem schlichten Sündenbock, den Juden, machten es dem schreienden Dritten leicht, die Verängstigten in s e i n Boot zu holen, bei den letzten freien Wahlen damals!

Diesmal scheint es so, als gelänge es der Mitte, solidarisch das Schulden Machen als Ausweg aus der Krise zu installieren: Keynes in ganz großem Stil also: der Staat macht Schulden, um über die Steuereinnahmen, die aus diesen großen Infra-Struktur-Projekten generiert werden, später die Schulden ordentlich wieder tilgen zu können. Vor allem aber hat es immaterielle Folgen: Die Menschen glauben wieder an eine Zukunft, für die es sich lohnt, sich anzustrengen, sich zu engagieren, geduldig mitzuhelfen, den Karren wieder aus dem Sumpf der Verdrossenheit, des Zynismus, des Kleinmuts und mangelnder Lebensfreude gemeinsam herauszuziehen. Denn nur so kann die derzeitige Generation Eckpfeiler in eine stabilere Ökonomie einrammen, damit die nachwachsende Generation nicht resigniert oder bockig irgendwelchen Rattenfängern auf den Leim geht, die lautstark heraus posaunen, die „wahre Alternative“ anzubieten.

Und natürlich ist es auch immer höchste Zeit: der Krieg in der Ukraine muss in einem gerechten Frieden beendet werden. Dazu muss Europa aber selbstbewusst und mit klarer Stimme dem Aggressor Paroli bieten. Auch das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser gilt es zu unterstützen, genau wie das der Israeli. Das kann aber Europa eben nur, wenn ein Gefühl von innerer Selbstsicherheit und Glaubwürdigkeit in den eigenen Ländern überwiegt und nicht Pessimismus oder gar Weltuntergangsstimmung vorherrschen.

Nach dem eher lähmenden Spektakel, das die Ampel-Regierung drei Jahre lang masochistisch und medial als linkischen Striptease hartnäckig zu inszenieren wusste, scheint in diesen Tagen den gewählten Akteuren allzu klar geworden zu sein, dass nur gemeinsam das Momentum der Geschichte an seinem Zipfel zu fassen sein wird, dass der Bürger angesichts der vielen Wellenberge, die auf ihn los donnern, aufgemuntert werden muss. Denn nur so lassen sich die wertvollen Potenziale europaweit aktivieren, in Stellung bringen und kraftvoll entfalten. Allein schon das Gefühl, die Exekutive geht gestärkt voran, lässt die Albträume eines untergehenden Floßes in schwerer See im Seelenkino der Bürger verschwinden, als hätte es sie nie gegeben.

10 März

Europa – Meditation Nr. 492

Scherben – Kaleidoskop

„Nun zerbricht der Westen, Europa und Deutschland stehen vor den Trümmern einer Weltordnung, Demokratiefeinde, Gewaltherrscher und Kriegsherren glauben an ihre Stunde.“ (SZ Nr. 52, Dienstag, den 4. März 2025 M e d i e n , Seite 9 „Sehnsucht nach den alten Sorgen.“ )

Was für ein apokalyptisches Vokabular wird da herbei bemüht! Geht es vielleicht auch eine Nummer kleiner? Zappelnd hangeln sich die Europäer von einer scheinbaren Zäsur zur nächsten: Jede Dekade ein irrlichterndes Event hält uns mit hehren Narrativen halbwegs wach: Der eiserne Vorhang fällt.rums! Der overkill steht vor der Tür, wow! Agent Orange regnet flächendeckend vom Himmel, Ohje! Ölkrise ist angesagt, teuer, teuer! Wir stehen zum Doppelbeschluss, treu zur Seite, klar! Plötzlich fällt die Mauer um, juchhu! Bankenbluff reißt Erspartes mit ins Nichts, Mist! Die Eine Welt, ein Kartenhaus, huch! Und jetzt auch das noch: Hofnarren huldigen ihrem Trampeltier, als wäre es von Gott gesandt, aua!

Dabei scheint es doch in all den Jahrzehnten nur darum gegangen zu sein, Bodenschätze zu verheizen, Reichtümer und Armut zu vermehren, Versiegelungen zu feiern wie unschuldige Gartenfeste und der Zauberformel vom Wachstum zu huldigen, als wäre auf der Skala nach oben kein Ende abzusehen.

Und der Lehrmeister in diesem makabren Totentanz war kein anderer als der „Befreier vom Bösen“, der den irregeleiteten Europäern großherzig verzieh und sie nachhaltig umerzog in seinem Sinne: Investieren, Schulden machen, mehr verbrauchen als man braucht und gnadenlos expandieren und den Zurückgebliebenen Entwicklungshilfe verordnen als Therapie hin zu Wohlstand für alle. So die Botschaft, die in allen Farben des Spektrums glitzerte und funkelte, als wären es harmlose Lichtspiele. In Wirklichkeit aber ist es der systematische Raubbau am Planeten Erde, auf dem die derzeitige dominante Species homo sapiens sapiens fleißig bis hysterisch an der eigenen Demontage werkelt.

Ist vielleicht ein Moment des Innehaltens möglich? Ein kritisches Betrachten dieser verflossenen Dekaden? Ein Einsehen, dass es mit Nebelkerzen und Stereo-Anlagen verstärkt ein wirklich unnatürlicher, dummer Weg war, der da unter der Flagge von „Freiheit, Demokratie, Individualismus“ immer mehr Zwänge, Fremdbestimmung und Einsamkeit als Eckpfeiler in unser Bewusstsein rammte?

Brauchen wir Europäer geradezu diesen Trampelmann in Übersee, damit wir endlich zur Besinnung kommen und uns angewidert von unserem eigenen Zerrbild abwenden können? Wollen? Müssen?

Dann könnte endlich eine Dekade beginnen, die eine Rückkehr zu den Lebensmustern der Natur und unserer eigenen Natur darin führen wird, die vor allem dadurch gekennzeichnet sein muss, dass der homo sapiens in moderater Echtzeit den Rhythmus des Kosmos anerkennt und nutzt, seine Lebensbasis wieder zu festigen statt zu ruinieren.

02 März

Europa – Meditation Nr. 491

Dreimal kommt das Rumpelstilzchen, dreimal!

Wenn Väter für ihre Töchter sorgen – wie zum Beispiel im Märchen – dann geht das fast immer zu Lasten der Frau. Auch der Prinz sieht die Fremde nur als Vermögenszuwachs und das kleine Rumpelstilzchen will dann den Deckel drauf machen. Dreimal wird gestundet, doch beim dritten Mal läuft das Glücksspiel aus dem Ruder und in seinem wilden Zorn, zerfetzt es sich selbst.

Als Märchen wollen wir es vielleicht gerade noch so durch gehen lassen, aber „on reality“? Die Tochter wird vom Zufall gerettet. Das ist einfach zu riskant. Da hätte schon der Vater für seine Tochter mehr Liebe und weniger Habgier mobilisieren müssen. Hat er aber nicht. Genau wie der Prinz.

Wenn nun aber zum Schluss das Rumpelstilzchen nicht mehr im Märchen auftaucht, sondern in der Realität, dann sollten wir erst recht aufpassen: Einmal ist schon der „DEAL“ , den er mit der Verzweifelten macht, kein deal, sondern nur gestundete Zeit, und zweitens würde er sich sowie so nicht an die eigenen Versprechen halten. Wär er ja schön blöd.

Wir können ganz sicher sein, dass er seine Verabredungen nur so lange einhalten wird, wie sie für ihn von Vorteil sein werden. Sonst ändert er sie einfach ab, oder behauptet, der Vertragspartner habe alles völlig falsch verstanden, oder er kann sich nicht mehr erinnern. Außer seine eigenen Spielregeln akzeptiert er gar nichts. Man kann also nur verlieren, wenn man wirklich meint glauben zu können, einen Vertragspartner vor sich zu haben. Das kann innerhalb von Sekunden kippen. Jede Laune ist ihm da recht, um sich nicht an irgendetwas gebunden fühlen zu müssen.

Ein schlichtes Gemüt, das ist er, das vor lauter Unsicherheit, Angst und Minderwertigkeitsgefühlen in jedem Augenblick seine Nebelkerzen werfen wird – es sei denn, wir erklären sein Spiel für beendet und gehen getrennte Wege.

Einmal rasselt er mit dem Schwert, einmal demütigt er den eigenen Gast, und einmal wird er noch einen drauf legen, um Eindruck zu schinden und um zu bekommen, was er will. So schlicht, so ausrechenbar.

Hören wir also auf, ihn ernst zu nehmen, verblüffen wir ihn einfach mit seiner eigenen fehlenden Verbindlichkeit.

Kommen wir doch noch einmal auf das ihm absolut gegen den Strich gehende Thema: Gleichberechtigung der Frauen.

Warum solidarisieren sich nicht einfach alle Frauen – schließlich sind sie längst in der Mehrheit – und kündigen – wie in Aristophanes’ Lysistrata – dem Papiertiger und seinem Zappelanhang, die hinter ihm her trottende Elefantenherde von Parteimitgliedern, nicht nur die Gefolgschaft, sondern auch das Betreten des Schlafzimmers. Das wäre sicher ganz auf seinem Niveau, nur nicht in den Zielvorstellungen akzeptabel.

Vielleicht wird er sich dann vor lauter Zorn vor laufenden Kameras selbst in Stücke reißen, um allen zu zeigen, dass er auch zum Äußersten bereit ist, dieser Dünnbrettbohrerrumpeltumpelpumpelseifenblaseneitelfatzke.