i n t r o

Wer bin ich?

Johannes Seiler, 1945 geboren in Siegburg an der Sieg. Die Mutter, eine vielversprechende Opernsängerin, wählte statt Karriere in Zeiten des Krieges die Familie, der Vater, ein sehr strenger Schreinermeister, der mit seinen Eltern vor dem ersten großen Krieg aus Franken ins Rheinland ausgewandert war, hatte wohl keine Wahl: Für ihn gab es nur die Arbeit, das Sparen und das Schweigen. So wurde die Angst meine beste Freundin damals als Beginn.

Wo komme ich her?

Aus einem altsprachlichen Gymnasium, das als Internatsschule der Zisterzienser in Marienstatt beheimatet war. Also das klassische Programm des Bildungskanons des 19. Jahrhunderts rieselte da neun Jahre lange auf mich herab und hinterließ lebenslange Spuren.

Rastlos danach die Jahre des Studiums in Bonn, Freiburg, Berlin und Ann Arbor, Michigan; danach Schauspielschule in Basel und erster Job als student counselor am Institute of European Studies in Freiburg.

Und dann Lehrer, begeistert,  ein Leben lang – mal Deutsch, mal Geschichte, mal Latein, aber nicht zuletzt auch Darstellendes Spiel, so viele Jahre lang.

Die wirklich wahren Wunder in diesem Leben aber sind die fünf Kinder, längst flügge und zu eigenen Lebensentwürfen aufgebrochen.

Als Sechzigjähriger schrieb ich über diese Jahre einen mehrstrophigen Text mit der befremdlichen Überschrift: In der lebendigen Sanduhr lautlosem Fließen fast vorzeitig ertrunken

Wo gehe ich hin?

Mit Dionysos und Hölderlin als heimlichen Portalfiguren bin ich nun unterwegs mit der geliebten Frau, um gelassen zurückzuschauen, nachzudenken, zuzuhören und angesichts des gespeicherten Bildervorrats daran zu arbeiten, warum ich die Wirklichkeit so wahrnehme, wie ich es tue, warum Wahrheit darin sein könnte, oder auch nicht, wie ins Wort gebannt das Wahrgenommene wieder sichtbar wird und gerne wahr sein möchte, wie Vorsicht die beste Lehrmeisterin sein könnte und wie das Erinnerte verbessert, überarbeitet, neu formuliert werden sollte, damit es stand hält in all der Hektik der so selbstbewussten Gegenwart drum herum. Dabei die Wolke zu nutzen, ermöglicht erstmals mit allen, die wir uns je begegnet sind,  zu sprechen – wenn sie es denn wollen!  Was für ein Glück!

                   Die  Themenkreise  beschränken sich auf einige wenige:

Was ist eigentlich G e s c h i c h t e ?

Was erinnern wir, wenn wir uns erinnern?

Wie könnte Wissen helfen gegen Gewalt?

Warum war und ist Religion so anziehend für uns?

Was vermag die Kunst in unserem Leben?

…die Jahre des Lebens stehlen sich stekum, still und leise einfach so davon. Meistens bemerkt man es nicht einmal. Das ist sehr schade, denn wenn man sich einmal zu erinnern versucht, fällt einem sowieso das Meiste nicht mehr ein: Da ein besonders scheußlicher Moment, vielleicht, hier eine zerstobene Hoffnung und dort ein unglaublicher Geruch, als man allein am Meer stand, das zurücklaufende Wasser elegant um die Füße glitt und die eigene Verlorenheit in Zeit und Raum kribbelnd den Nacken herunterzukriechen schien…Und all die Menschen, denen ich begegnet bin in all den Jahren! Wo sind sie jetzt, was ist aus ihnen geworden, woran erinnern sie sich denn noch?

Um dem Vergessen und Verloren Gehen etwas Schönes und Gutes entgegenzusetzen, will ich in diesem blog auf die unterschiedlichsten Weisen versuchen,

  • Momente aus der Vergangenheit wieder ans Licht zu zaubern,
  • ins Gespräch zu kommen mit denen, die ich kenne und die mich kennen und die vielleicht ferne, geistige Verwandtschaften bemerken, die jenseits von Zeit und Raum überdauern und faszinieren oder auch ganz neue Stimmen zu hören mit völlig fremden Echo
  • brennende Themen anzusprechen und von allen Seiten vor dem Hintergrund der eigenen Kindheit im Rheinland und im Westerwald und angesichts der späteren Erfahrungswelt am Bodensee, am Solling und im Schaumburger Land zu beleuchten und ins Wort zu bannen
  • mal essayistisch, mal prosaisch – immer in der Hoffnung, dass durch die Kommentare der Leser das Aufgeschriebene weiter erhellt, verbessert wird
  • den Thespiskarren fröhlich weiterzuschieben, denn in all den Jahren haben sich die unglaublichsten Masken und Kostüme darauf angehäuft und wollen einfach keine Ruhe geben, wollen weiter spielen
  • vielleicht auch kleine oder auch große Einblicke in die Welt der Fabeln, Romane und Theaterstücke zu gestatten, die im Laufe der Zeit von mir verfasst wurden und in Schubladen gestrandet sind und sich dort fragen, warum denn niemand ihre Geschichten hören mag
  • also einfach bisher Verborgenes ans Licht zu holen, es wirken zu lassen und gegen den Strom des Zeitgeistes zu halten
  • es gibt aber auch schon anderes phantastisch Verfertigtes, das in andere oder auch ähnliche Richtungen zielt:

auf den neugierigen Leser warten bereits zwei historische Romane:

– einmal „Die fast schon vergessene Botschaft vom Glück“ –  der erste Teil

(die Geschichte spielt in  M I N O I S C H E R    Z E I T )

– einmal „Die fast schon vergessene Botschaft vom Glück“ –  der zweite Teil

(die Geschichte spielt in F R Ü H – F R Ä N K I S C H E R   Z E I T  6./7. Jh.) – beim Autor nachfragen!

Auch zwei Theaterstücke liegen vor:

– „SALOME  TANZT  NICHT  MEHR“     und      „HOTELGÄSTE“

Und viele Fabeln: „S I E B E N    F R E U N D E  /  S I E B E N    R E I S E N“ mit der kleinen FEE  von der Butterblume – sie ist unterwegs mit G o m b r a l, dem Dinofanten,   B l i n k e r, dem Eichhörnchen, A l i t o t, dem Fuchs, S i n d a l f, dem Falken, M ü r n l i, dem Igel, W e i c h z o t t e l, dem kleinen Bären und T e b e l c h e n, dem Rehkitz…

 

Ein Gedanke zu „i n t r o

  1. Ja, für wahr, die Jahre des Lebens stehlen sich davon, aber dein blog -ob er das Weiterschieben des Thespiskarren oder die vielen bereichernden Texte zu Europa betrifft – gibt einem Mut, Erkennen, Erkenntnis und Inspiration! Ich bin begeistert und freue mich auf die weiteren Beiträge! Bsb 🙂

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